Dartitis – Was es ist und was wirklich hilft

Die Dartitis wird von vielen Menschen eher belächelt als wirklich ernst genommen. Viele können sich einfach nicht vorstellen, dass es sich bei der Dartitis tatsächlich um eine Erkrankung handelt. Der folgende Artikel klärt deswegen darüber auf, was eine Dartitis überhaupt ist und welche Ursachen ihr zu Grunde liegen.

Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, beschreiben ihren Zustand oft als eine Art Trance, in der sie es nicht mehr schaffen im richtigen Moment den Dartpfeil loszulassen und auf die Scheibe zu werden. Hinter der Erkrankung versteckt sich also in der Regel ein mentales Problem im Kopf.

Triple-Zwanzig-Darts

Dartitis – Was ist das überhaupt?

Ein Großteil der Betroffenen berichtet davon, dass sich die Krankheit nur schleichend und langsam in einer Art Prozess entwickelt. Am Anfang haben die Dartspieler überhaupt keine Probleme, den Pfeil auf die Dartscheibe zu werfen. Sie haben in ihrem Wurf sogar einen richtig guten Rhythmus.

Zu dieser Zeit besteht während des Spiels noch keine Situation, in der Druck von außen herrscht. Dem Spieler wird noch nicht vermittelt, dass er unbedingt in ein bestimmtes Feld mit seinem Pfeil treffen muss. Die ersten Anzeichen der Erkrankungen zeigen sich erst, wenn eine außergewöhnliche Situation entsteht, in der sich der Spieler stark unter Druck gesetzt fühlt.

Sie merken es daran, dass das Gefühl herrscht, die eigenen Hände nicht mehr im Griff zu haben und kontrollieren zu können. Der Pfeil kann dann nicht mehr im alten Rhythmus wie gewünscht auf die Scheibe geworfen werden.

Dartsspieler, die einen solchen Moment schon einmal erleben mussten, haben mit der typischen Darts Krankheit also schon einmal Kontakt gehabt. Die Gefahr und das Problem bei der Erkrankung liegt besonders in dem Umstand, dass durch die bereits erlebten misslichen Situationen vor der Dartsscheibe das eigene Selbstbewusstsein immer mehr in Mitleidenschaft gerät, desto öfter der Aussetzer vorkommt.

Dies hat natürlich zur Folge, dass die Situation immer öfter auftritt. Dies kann sogar soweit führen, dass der Dartpfeil noch nicht einmal mehr das Board trifft, sondern immer wieder in das Surround trifft. Für den erfahrenen Dartsspieler ist es sehr schwierig, mit solchen Fehltreffern umzugehen. Er macht sich viele Gedanken, wie es zu diesem Problem kommen kann.

Dies ist der Moment, in dem sich das mentale Problem im Kopf des Spielers regelrecht manifestiert. Die Gedanken kreisen nur noch um den eigenen Wurfstil, sodass dabei unterbewusst Dinge verändert werden, die eigentlich nötig wären, um wieder erfolgreich Werfen zu können. Die positiven Resultate werden immer seltener.

Den Begriff Dartitis prägte 1981 Tony Woods aus dem World Darts Magazine. Es sei ein Zustand der Nervosität, der einen Spieler davon abhält den Pfeil während des Wurfs zum richtigen Zeitpunkt zu werfen. Der großen Darts-Gemeinschaft wurde diese Krankheit das erste mal so richtig bewusst, als der fünfache Weltmeister Eric Bristow 1987 bei den Swedish Open seinen Dartpfeil nicht mehr richtig werfen konnte.

Die Ursachen der Dart Krankheit

Die grundlegende Ursache besteht in der Angst vor einem Scheitern. In der Situation, in der der Spieler vor der Scheibe steht, überwiegt die Angst vor dem Verlieren in seinem Kopf. Er kann sich gar nicht mehr vorstellen, wie es wäre, wenn sein Wurf ein Erfolg werden würde.

Im Prinzip kann jeder Dartspieler von der Erkrankung ereilt werden. Hier besteht die Kunst darin, nach einer schwierigen Phase von Niederlagen wieder Vertrauen in das eigene Können und die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen. Die Krankheit kann also nicht damit besiegt werden, indem die Gedanken weiter um die eigene Technik und die Dartpfeile kreisen. Um die eigentliche Ursache zu bekämpfen, muss der Spieler in seinem eigenen Kopf beginnen.

Was hilft gegen die Krankheit?

Anders als viele Spieler zu Beginn annehmen, handelt es sich bei der Krankheit um keine Störung der Feinmotorik von Händen und Fingern. Es handelt sich vielmehr um ein Problem, das im Kopf entsteht und von da aus Auswirkungen auf die Hände zeigt.

Frau mit Dartitis ProblemenDurch mentales Training, das regelmäßig absolviert wird, ist es durchaus möglich, die Krankheit zu bekämpfen. Als erstes ist es dabei essentiell, dass das eigene Ego und der Ehrgeiz beiseite geschoben wird. Sich nur auf den Sieg zu konzentrieren, wäre in einer solchen Lage also definitiv der falsche Weg.

Es geht vielmehr darum, das eigene Können und die persönlichen Leistungen zu beurteilen – egal, ob diese eine Niederlage oder einen Sieg im Spiel nach sich gezogen haben. Darüber hinaus macht es auch Sinn, nicht immer nur auf das Feld mit der 20 zu zielen. Es können auch andere Ziele anvisiert werden, egal, in welchem Segment der Dartscheibe sich diese befinden möglich. Hier findet ihr ein paar Anregungen zur Verbesserung des Dartsspiel.

Der Spieler muss in seinem Kopf Abstand von dem Gedanken gewinnen, dass er immer das höchste Segment, also die 20 treffen muss. Die 20 ist einfach nur ein Feld auf der Scheibe, wie jedes andere auch.

Bei ihrem Problem möchten sich leider nur die wenigsten Dartspieler helfen lassen. Die Betroffenen betreiben in einer solchen Situation lieber eine penible Erforschung der Ursachen. Diese wird allerdings kaum zum Erfolg führen – erst recht nicht dann, wenn sich der Spieler nicht umfassend mit der gesamten Thematik beschäftigt.

Als erfolgreiches Mittel für eine Therapie der Erkrankung hat sich auch die Hypnose erwiesen. In der Hypnose kann der Spieler von den eigenen Vorurteilen und stresserzeugenden Gedanken bezüglich seiner Spiele befreit werden. Im Endeffekt handelt es sich bei dem Spiel Darts nämlich um nichts anderes, als den Wurf mit einem Pfeil auf eine Scheibe. Der Spieler muss seine Unbefangenheit und Lockerheit zurückgewinnen, damit er die Erkrankung effektiv hinter sich lassen kann.

Die Krankheit ereilt auch professionelle Dartspieler

Von der Erkrankung sind keineswegs nur Hobbysportler betroffen. Auch Profis kennen und fürchten diese Krankheit, wie zwei Prominente Spieler bereits gezeigt haben. Einer der Weltbesten Spieler überhaupt, Mensur Suljovic, brauchte eine lange Zeit, bis er die Krankheit erfolgreich hinter sich lassen konnte. An diesem Zeitpunkt was seine Karriere im Dartssport bereits massiv bedroht. Er handelte allerdings noch gerade rechtzeitig, damit er seine Verkrampfung in Armen und Händen wieder lösen konnte. Auch er hat sich zuerst fälschlicherweise lange mit der Analyse seiner Wurftechnik beschäftigt.

Als er das Problem in seinem Kopf lösen konnte, so perfektionierte er seinen Wurf, indem er die gesamte Wurfvorbereitung und das Werfen des Pfeils an sich wie ein Ritual aufgebaut hat. Er führte zu jeder Zeit die gleichen Abläufe und Bewegungen aus.

Durch dieses verinnerlichte Muster hatte er keine Gelegenheit mehr, sich über richtige oder falsche Würfe Gedanken zu machen. Sein gesamter Wurfablauf war absolut routiniert und glich irgendwann einem Reflex. Er erreichte dadurch einen Punkt, an dem er keinen Gedanken mehr an ein mögliches falsches Werfen verschwenden musste. Dadurch konnte nach einiger Zeit der Druck Stück für Stück abgebaut werden. So konnte Suljovic zu einem der besten Spieler in der PDC aufsteigen und seinen Platz langfristig verteidigen.

Allerdings stellt Mensur Suljovic nicht den einzigen bekannten Dartspieler dar, der mit der Krankheit zu kämpfen hatte. Auch der Spieler Berry van Peer ist davon betroffen. Dies wurde auch für die Zuschauer bei dem Grand Slam of Darts im Jahre 2017 offensichtlich deutlich. Er brauchte ungewöhnlich lange, um in seinem Gruppenspiel gegen seinen Gegner Simon Whitlock seine Pfeile zu werfen.

Dadurch stieg die Unruhe bei seinem Gegner Whitlock immer weiter an. Irgendwann wurde dieser sogar richtig ärgerlich, da sein eigener Rhythmus durch das ungewohnte zögern von van Perry aus dem Gleichgewicht geriet. Dass Berry van Peer mit einer ernsthaften Erkrankung zu kämpfen hatte, erfuhr Whitlock erst als die Partie bereits beendet wurde.

 

Noch besonderer und auch tragischer wurde die Situation, als van Peer wenige Tage später in seinem Gruppenspiel auf den Spieler Gary Anderson traf. Bei van Peer kam es in diesem Spiel zu dem Punkt, an dem alle Dämme brachen.

Die Krankheit nahm ihn so mit, dass er über Minuten hinweg mit den Tränen zu kämpfen hatte. Für den jungen Spieler war die Aufmerksamkeit die er erfuhr und der damit verbundene Druck, der auf ihm lastete, zu viel. Das Leiden und die Tragödie des jungen Niederländers konnten alle Zuschauer live mitverfolgen. In der jüngeren Geschichte des Darts war dies sicher einer der am emotionalsten aufgeladenen Momente.

Andere Sportart, anderer Name – gleiches Problem

Golfer beim Putten am GreenBetroffen von dieser Krankheit sind aber nicht nur Dartsspieler. Auch in anderen populären Sportarten kommt es vor, dass die Spieler mit mentalen Problemen zu kämpfen haben. Besonders hervorzuheben ist hier der Golf-Sport. Hier nennt man das Problem “Yips“. Die weiten Abschläge gelingen noch. Die Probleme werden deutlich, wenn man das Spiel zu ende bringen muss. Also beim putten – dem Einlochen der Bälle aus kurzer Distanz.

Ähnlich dem Darts ist das Bogenschießen. Auch hier wird auf eine runde Scheibe geschossen und es geht um äußerste Präzision, um so nah wie möglich an die Mitte der Scheibe zu schießen. Wir Dartsspieler würden sagen Bulls-Eye. Bei den Bogenschützen nennt man es Goldfieber oder auch Schusshitze / Schussangst. Auch hier kann der Schütze den Pfeil nicht mehr loslassen oder ist nicht mehr in der Lage das Ziel richtig anzuvisieren.

Hilfe durch mentales Training

Nach diesen Ausführungen dürfte wohl jedem klar sein, dass die Dartskrankheit durchaus Ernstzunehmen ist. Das Leiden an der Erkrankung ist sowohl bei Profi- als auch bei Hobbyspielern des Darts weit verbreitet. Nur, wenn dieses Problem wirklich als Krankheit anerkannt wird, kann diese auch bekämpft und gut in den Griff bekommen werden. Beim Darts steht dadurch das Thema des mentalen Trainings besonders stark im Fokus. Wichtiger als praktisches Training ist hier definitiv das Training des eigenen Kopfes.

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